Der Hintergrund

Öffentlichkeitsauftrag und Subsidiaritätsprinzip: Kirchen als Akteure in der Gesellschaft

Die Gestaltung des demografischen Wandels wirft Fragen von Bedingungen und Werten des individuellen wie des gemeinsamen Lebens auf. Dies betrifft genuin Auftrag, Kompetenzen und Rolle der evangelischen Kirchen in Niedersachsen. Ihr Öffentlichkeitsauftrag wird hier ebenso berührt wie das Subsidiaritätsprinzip. Das Prinzip der Subsidiarität hat innerhalb der evangelischen Kirche ein Pendant in einer pluralen Debatten- und Beteiligungskultur.

Die Mitwirkung von Freiwilligen gehört zum laufenden Betrieb kirchlicher Entscheidungs- und Gestaltungsprozesse auf allen Ebenen. Diese Erfahrung kann in Fragen von Bürgerbeteiligung ebenso eingetragen wie im Blick auf konkrete Herausforderungen des demografischen Wandels genutzt werden: Angesichts schwindender finanzieller Ressourcen und einer überwiegend schwierigen finanziellen Situation auf kommunaler Ebene können Kirchengemeinden gemeinsam mit anderen lokalen Akteuren den Schrumpfungsprozessen des demografischen Wandels Orte der Gemeinschaft entgegensetzen. Kirchenkreise und Einrichtungen und die kirchenleitenden Organe der Landeskirche können solche Prozesse befördern.

Die Veranstaltungsreihe Stadt, Land, Lust ist dafür beispielhaft. Zugleich können sie sich als Akteure in öffentlichen Debatten und Gestaltungsprozessen gemäß ihrem Öffentlichkeitsauftrag eintragen. So vertritt Landesbischof Ralf Meister den Rat der evangelischen Kirchen in Niedersachsen im Zukunftsforum des Landes und entsendet Vertreter in die zugehörigen Arbeitsgruppen. Kirchengemeinden und Kirchenkreise können in den lokalen und regionalen Prozessen auf vorhandene Ressourcen und Fachkompetenzen zurückgreifen, aber auch neue aufbauen. Die Idee der „Sozialkapitalbildung“ könnte den gemeinsamen Ertrag solchen Handelns für Kirche und Gemeinwesen beschreiben.

Der Begriff bezeichnet den Zuwachs an Gemeinschaft stiftenden und verbindenden Faktoren wie soziales Vertrauen, Kommunikation, Beziehungen: eine Wertschöpfung also, die nicht an materielle oder infrastrukturelle Möglichkeiten gebunden ist, aber zur Lebensqualität und zur Attraktivität eines Sozialraumes beiträgt.