Demografischer Wandel in Niedersachsen: Ministerpräsident und Landesbischof im Gespräch

Hildesheim (epd). Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat sich dafür ausgesprochen, Zuwanderern den Zugang zum Arbeitsmarkt zu erleichtern. "Viele Flüchtlinge von heute sind unsere Nachbarn von morgen", sagte der Politiker am Dienstagabend, 14. Oktober 2014 in der evangelischen Michaeliskirche in Hildesheim. Gemeinsam mit dem hannoverschen Landesbischof Ralf Meister diskutierte Weil über das Thema demografischer Wandel.

Jeder Bürger sollte sich überlegen, wie er in seinem Ort zur Integration beitragen könne, empfahl Weil. Flucht und Asyl würden häufig nur als Herausforderung und Problem und weniger als Chance gesehen. Angesichts des demografischen Wandels könnten Zuwanderer aber auch ein Gewinn sein.

Der evangelische Landesbischof Meister sagte, dass ein Verantwortungsbewusstsein für Flüchtlinge nicht verordnet werden könne. "Die innere Bereitschaft, dass die Flüchtlingshilfe ein guter Dienst an den Menschen und der Gesellschaft ist, muss aus den Herzen kommen."

Um dem demografischen Wandel im Flächenland Niedersachsen entgegenzuwirken, müsse auf dem Land mehr qualitative, gut bezahlte Arbeit entstehen, betonte Weil. Jüngere Menschen könnten durch den Ausbau von Breitband-Internet oder dualen Ausbildungsgängen in den Dörfern am Weggehen gehindert werden: "In der Großstadt wird man ja nicht zwangsläufig glücklich."

Meister erinnerte daran, dass die Kirche als einer der größten Träger für Kindertagesstätten ein wichtiger Standortfaktor für junge Familien auf dem Land sei. "Die Kirche ist mit der Diakonie oft einer der letzten Akteure vor Ort. Sie blieb und bleibt an fast allen Orten stehen bis zum Schluss." Auch zähle sie mit Literatur- oder Musikangeboten zu den bedeutendsten Kulturanbietern.

Mit der Veranstaltung schloss die mehrmonatige Reihe "Stadt, Land, Lust". Die evangelische Hanns-Lilje-Stiftung hatte dazu an landesweit sechs Orten eingeladen, um über Zukunftsperspektiven für Niedersachsen zu diskutieren. Mit der Veranstaltung in Hildesheim feierte die Stiftung zugleich ihr 25-jähriges Bestehen.

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