Bericht aus Südniedersachsen

Göttingen (epd). Politik und Gesellschaft müssen den Herausforderungen des demografischen Wandels nach Ansicht des evangelischen Regionalbischofs Eckhard Gorka auch mit unkonventionellen Ideen begegnen. Um Arbeitsplätze in den ländlichen Raum zurückzuholen, schlug der Hildesheimer Landessuperintendent am Dienstagabend, 17. Juni 2014,  "radikale Steuerentlastungen" für sich dort ansiedelnde Betriebe vor. "Die Mehrwertsteuer könnte weg, gegebenenfalls für einen begrenzten Zeitraum", sagte Gorka bei einer Podiumsdiskussion in Göttingen.

Auch eine "offensive Willkommenskultur" für Zuwanderer könne dazu beitragen, den Bevölkerungsrückgang auf dem Land aufzuhalten oder zu verlangsamen. "Wir sollten Zuwanderung zulassen, Fremde in ländlichen Gebieten willkommen heißen und ihnen die Möglichkeit geben, zu arbeiten", erklärte Gorka.

Georg Folttmann von dem in Einbeck ansässigen Saatgutunternehmen KWS Saat AG mahnte den Erhalt und Ausbau von Infrastruktur auf dem Land an. Das betreffe nicht nur den öffentlichen Nahverkehr, sondern auch das Internet. In Teilen Südniedersachsens gebe es bislang keine modernen DSL-Leitungen.
 
Der Göttinger Landrat Bernhard Reuter (SPD) sagte, gemeinsame Projekte wie Dorfläden machten das Leben auf dem Land für die Bewohner attraktiver. Gleichwohl zeigte sich Reuter skeptisch, "dass wieder mehr Menschen in die Dörfer ziehen". Vielmehr komme es darauf an, auf dem Land die Lebensqualität bei sinkender Bevölkerungszahl zu erhalten oder zu steigern. "Wachstum zu managen ist schon schwierig. Schrumpfung zu managen ist noch schwieriger. Aber wie müssen es versuchen."

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